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Staatshilfen an Lufthansa an Bedingungen knüpfen

 
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Maßgeschneiderte Staatshilfen

Die Lufthansa will Milliarden vom Staat – aber zugleich weiter das Klima ruinieren und Geschäfte in Steueroasen machen. Der Deal steht kurz vor dem Abschluss, denn CDU und CSU haben schon ihre Zustimmung signalisiert. Unterzeichnen Sie jetzt unseren Eil-Appell: SPD-Vizekanzler Olaf Scholz muss hart bleiben – und die Staatshilfen an Bedingungen knüpfen!

 
 
 

Hallo Christa Becker,

die Lufthansa bleibt am Boden: 700 von 760 Flugzeugen stehen derzeit still. Entsprechend laut ruft der Konzern jetzt nach Staatshilfen. 10 Milliarden Euro sollen es sein – die bislang größte staatliche Unternehmenshilfe während der Corona-Krise.[1] Die Lufthansa hätte dieses Rettungspaket gerne sofort – aber bitte ohne Gegenleistung. Politische Mitsprache und faire Zinsen für die Hilfsgelder? Bei den Verhandlungen mit der Regierung schaltet der Konzern auf stur.[2] Klimaauflagen wie das Aus für Inlandsflüge oder ein Ende der Lufthansa-Geschäfte in Steueroasen? Werden gar nicht erst diskutiert.

Steuermilliarden fordern und dabei noch die Bedingungen diktieren – dreister geht's kaum. Doch die Taktik der Lufthansa könnte aufgehen. CDU und CSU wollen die Staatshilfen ohne jede Bedingung vergeben.[3] Das Problem: Der Deal setzt die Standards, wie in den nächsten Monaten insgesamt Hilfsgelder vergeben werden – als Geschenke an Großkonzerne oder verknüpft mit harten Auflagen.

Immerhin: In der SPD rumort es. Umweltministerin Svenja Schulze will die Hilfen an Klimavorgaben binden.[4] Und auch Finanzminister Olaf Scholz, der mit am Verhandlungstisch sitzt, hat klar gemacht: Geld gibt es nur gegen Auflagen.[5] Das ist unsere Chance. Wenn wir jetzt einen Aufschrei gegen die dreisten Lufthansa-Pläne organisieren, merkt Scholz: Der Widerstand gegen bedingungslose Staatshilfen ist groß. Der Minister muss in den Verhandlungen hart bleiben und die Rettungsgelder an Bedingungen knüpfen.

Doch wir müssen schnell sein: Die Lufthansa-Verhandlungen sind fast abgeschlossen. Der Konzern drängelt, denn er verliert derzeit eine Million Euro – pro Stunde.[6] Deswegen unsere Bitte: Unterzeichnen Sie jetzt unseren Eil-Appell. Den haben wir gemeinsam mit der Bürgerbewegung Finanzwende und dem Umweltinstitut München gestartet. Wenn wir Hunderttausend Unterschriften zusammenbekommen, wollen wir damit bei den Abschlussgesprächen zur Stelle sein – damit Scholz nicht einknickt.

Mit der Lufthansa ins Steuerparadies: Airline-Boss Carsten Spohr fordert Steuergelder, um seinen Konzern aus der Misere zu holen. Vom Steuernzahlen ist er kein so großer Fan – die Lufthansa hat zahlreiche Tochterfirmen in Niedrigsteuerländern wie Panama oder den Kaimaninseln.[7] Wie viele deutsche Dax-Konzerne wickelt auch die Lufthansa Geschäfte über diese Länder ab, um sich vor Steuern zu drücken.[8] Wir meinen: Wer staatliche Rettungsgelder will, darf sich nicht in Steueroasen flüchten.

Dass man Staatshilfen nicht einfach bedingungslos verschenken muss, macht Frankreich gerade vor: Die Regierung in Paris hat beschlossen, Air France mit sieben Milliarden Euro zu retten. Im Gegenzug gelten für die Fluglinie jetzt strengere Klimaschutz-Auflagen: Air France muss seine CO2-Emissionen deutlich senken. Und Kurzstrecken, die man auch schnell mit dem Zug zurücklegen kann, sogar ganz aus dem Angebot streichen.[9]

Anders sieht es bei der Lufthansa-Rettung aus. Kommt die Fluglinie mit ihrer Selbstbedienungsmentalität durch, gibt das die Richtung vor für andere Unternehmen, die Geld aus den Rettungstöpfen der Regierung wollen. Das Ergebnis: Wir bezahlen mit unseren Steuern für die Klima-Sauereien, Manager-Boni und Steuertricks von Großkonzernen.

Noch können wir das verhindern: Die Verhandlungen mit der Lufthansa sind auf der Zielgeraden, unser Protest kommt also genau im richtigen Moment. Bitte machen Sie mit, Christa Becker: Unterzeichnen Sie jetzt unseren Eil-Appell an Finanzminister Olaf Scholz!

Herzliche Grüße
Luise Neumann-Cosel, Teamleiterin Kampagnen

PS: Die Autolobby schreit nach einer neuen Abwrackprämie[10], jetzt kommt die Luftfahrt: In der Krise könnte es milliardenschwere Hilfen für besonders klimaschädliche Branchen geben. Lassen Sie uns das gemeinsam verhindern – und dafür sorgen, dass Hilfsgelder an Umweltauflagen geknüpft werden! Bitte unterschreiben Sie unseren Appell gegen bedingungslose Staatshilfen.

[1]„Staatshilfe für Lufthansa steht bevor – Insolvenz keine Option mehr“, Manager Magazin Online, 5. Mai 2020

[2]„Lufthansa lehnt Staatshilfe-Bedingungen ab – und erwägt Schutzschirmverfahren“, Süddeutsche Zeitung Online, 28. April 2020

[3]„Unionsfraktion lehnt die Verstaatlichung der Lufthansa ab“, Handelsblatt, 6. Mai 2020

[4]„Schulze für Klimaschutz-Vorgaben bei Staatshilfen für die Luftfahrt“, Handelsblatt Online, 5. Mai 2020

[5]„Interview mit Olaf Scholz über Staatshilfen für Lufthansa und Autoindustrie“, Tagesthemen, 5. Mai 2020

[6]„Lufthansa verliert eine Million Euro pro Stunde“, ARD Online, 9. April 2020

[7]„Erst im Steuerparadies, dann vom Staat gerettet?“, Süddeutsche Zeitung, 30. April 2020

[8]„Corona-Hilfen für Steuervermeider?“, Tagesschau Online, 1. Mai 2020

[9]„Regierung definiert Zielvorgaben für Air France“, aero.de Luftfahrtnachrichten, 4. Mai 2020

[10]„Wer am lautesten schreit“, Süddeutsche Zeitung, 5. Mai 2020