aus Newsletter vom 03.07.20 von "foodwatch-Newsletter (Matthias Wolfschmidt)" <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!;

Foodwatch: Proteste gegen den Kastenstand

wir sehen diese genau so: Hauptsache billig produzieren für den Erfolg im Export. Koste es was es wolle. Billig geht IMMER auf Kosten von anderen, schwächeren!!!! Und inzwischen geht es um die Gesundheit von ALLEN; denn die nächste Pandemie ist bereits im Gange: Mutierte Schweinegrippe.
Endlich wehren sich die Natur und die Tiere!

foodwatch

die Entscheidung über den umstrittenen Kastenstand von Muttersauen ist gefallen. Der Bundesrat hat in seiner heutigen Sitzung einen „Kompromiss“ verabschiedet, der KEINEN schnellen Ausstieg aus dem Kastenstand vorsieht, sondern es für bis zu 15 weitere Jahre erlaubt, fast zwei Millionen Muttersauen in engste Käfige zu pferchen.  Als „Trostpflaster“ wird in ferner Zukunft die Gruppenhaltung in Aussicht gestellt. Für die Sauen bedeutet das noch jahrelang quälendes Leid. Mit Tierschutz hat das alles ziemlich wenig zu tun. Mit althergebrachter Agrarpolitik jedoch ziemlich viel: Hauptsache billig produzieren für den Erfolg im Export. Koste es was es wolle.

Nach vielen Monaten Arbeit für ein Ende der Kastenstände können wir unsere Enttäuschung über das Ergebnis nicht verbergen. Spätestens wenn es zur Abstimmung kommt, ist offenkundig keine Partei bereit, dem Gerede vom Ende des „Systems Tönnies“ auch Taten folgen zu lassen und die Weichen für eine Agrarpolitik zu stellen, die Mensch, Tier und Umwelt achtet. Stattdessen werden Ausreden bemüht, schlechte Kompromisse schöngeredet – und leider auch in vielen Medien nicht hinterfragt.

Eine weitere Lehre aus dem Kastenstand lautet daher: Wir müssen Ernährungs- und Agrarpolitik in die Mitte der politischen Berichterstattung und journalistischen Aufmerksamkeit holen – weil sie uns alle unmittelbar betrifft!

Vielen von Ihnen ist das längst bewusst.

Denn in den vergangenen Wochen haben unglaubliche 620.000 Menschen gemeinsam mit uns und anderen Organisationen an die Grünen appelliert, dem im Bundesrat zur Abstimmung stehenden Vorschlag nicht zuzustimmen. Das hat die Grünen daran erinnert, dass es nicht reicht, sich nur auf Wahlplakaten für den Tierschutz einzusetzen. Es hat zum Abbruch von bereits angesetzten Abstimmungen im Bundesrat geführt – und dazu, dass die von Bundesagrarministerin Julia Klöckner ursprünglich vorgesehenen, NOCH längeren „Übergangszeiten“ verkürzt wurden. Viel zu wenig, denn mit einer Agrar- oder Tierschutzwende hat das herzlich wenig zu tun.

Auch wenn am Ende doch die besonders von der CDU geforderte Fortsetzung des Leids von Millionen Schweinen mit Zustimmung der Grünen für viele weitere Jahre beschlossen wurde: Der Protest von 620.000 Menschen ist ein Signal, das über diese tierschutzwidrige Entscheidung hinausweist. Nämlich dass wir alle nicht länger bereit sind, eine derart gemeinwohlschädliche Politik rund um unsere Ernährung zu tolerieren.

Wir haben dieses Mal verloren. Aber wir werden nicht aufgeben – und uns weiter für eine bessere Landwirtschaft und eine bessere Tierhaltung einsetzen. Dafür müssen wir uns zusammenschließen – DAS ist die wichtigste Lehre aus der heutigen Niederlage. Wir wollen gemeinsam mit Ihnen weitermachen. Für eine andere, eine dem Gemeinwohl und unser aller Zukunft verpflichtete Agrar- und Ernährungspolitik!


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Vielen Dank für Ihre Unterstützung!
Herzliche Grüße
Ihr  
Matthias Wolfschmidt
Tierarzt und Campaigner bei foodwatch