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Liebe Freundinnen und Freunde von Pro Animale,
in den vergangenen 48 Stunden standen 39 Wohnsiedlungen und somit erneut gezielt zivile Ziele in Cherson unter Artilleriebeschuss, Drohnen- und Luftangriffen. Russische Besatzungstruppen beschossen Wohnviertel, Hochhäuser, Privathäuser und zivile Infrastruktur.Heute Vormittag erreichte uns die schreckliche Nachricht, dass auch die Hausruine und eine Garage getroffen wurden, in denen Vitali erneut viele Hunde untergebracht hat, die dort noch immer auf eine Evakuierung warten. Mindestens ein Hund wurde verletzt, auch Vitali ist verletzt, uns erreichen kurze Videos und bruchstückhafte Nachrichten, in denen wir die Einschüsse am Gebäude, einen verletzten und andere verstörte Hunde sehen und Vitali hören, der verzweifelt nach Hunden sucht, die sich in Panik und Todesangst verkrochen haben. Er selbst verletzt, noch ganz unter Schock sucht nach verletzten Hunden, danach wird er auf das Tierheimgelände gehen und auch dort nach den Hunden sehen. Erst dann wird er selbst zum Arzt gehen können... Es ist ein nicht endender Alptraum, der schon uns bis ins Mark erschüttert, die wir das alles nur in Ausschnitten aus der Ferne sehen und hören und niemals am eigenen Leib von Krieg und derartig lebensbedrohlichen, ausweglosen Erlebnissen betroffen waren. Seit Monaten, seit Jahren ist Vitalis Lage so dramatisch lebensbedrohlich, und unsere Berichte an Sie, liebe Freundinnen und Freunde, erscheinen uns selbst schon so wiederholend, dass sich die Brisanz des Geschilderten fast abzunutzen droht, aber das darf es nicht: Die Lage der diesem Krieg ausgelieferten Menschen und Tiere ist grausam, tragisch, desaströs zu jeder Sekunde - sowohl durch die Aussichtslosigkeit auf ein absehbares Ende als auch durch die zermürbende Lebensgefahr, der sie Tag und Nacht ausgeliefert sind. Was kann ein couragiertes Herz noch aushalten… Angesichts dieser Dramatik steuert das Schicksal Vitalis und der Hunde, die er nicht im Stich lassen wird, solange er am Leben ist, auf eine Katastrophe zu - jeder Tag kann sein letzter sein, und täglich müssen wir damit rechnen. Das zeigt ein Tag wie der heutige gnadenlos. In Vitalis Hausruine und in der Garage, die heute Ziel des Beschusses wurden, sind mittlerweile schon wieder wesentlich mehr Hunde als die, denen wir die Übernahme bereits zugesagt und deren Anzahl wir Ihnen zuletzt mitgeteilt haben, denn Vitali ist der Begegnung mit verwaisten, verlorenen, im Kriegsschrecken gefundenen Hunden täglich ausgesetzt. Und wie soll er sie zurücklassen? Wie sollte er ihnen nicht helfen? Welchem Hund sollte er in die Augen sehen und sagen, ab hier, ab heute, dir werde ich nun nicht mehr helfen... Es ist ein nicht endender Kreislauf, in dem er gefangen ist.Sie erinnern sich an unseren zweistufigen Rettungsplan, liebe Freundinnen und Freunde. Die erste Stufe beinhaltet die Evakuierung aller in der Hausruine verbliebenen Hunde, doch durch Vitalis ständige Begegnungen mit neuen Hunden - Kriegsopfern, Kriegswaisen- konnten wir diese Stufe bis heute nicht abschließen. Durch die begrenzten Aufnahmekapazitäten in der Quarantänestation konnten wir nie alle Hunde aus der Hausruine auf einmal evakuieren. Es mussten immer einige noch zurückbleiben und auf den nächsten Transport warten - und wenn der Tag ihrer Evakuierung dann endlich gekommen war, hatten schon wieder neue Hunde bei Vitali Zuflucht gefunden. Die Aufnahmekapazitäten der Quarantänestation sind begrenzt. Entsprechend der dort freien Plätze, können Hunde aus Cherson evakuiert werden. Wenn Hunde die vorgeschriebene Quarantänezeit durchlaufen haben, holen wir sie in unsere Stationen nach Deutschland. Somit werden wieder Quarantäneplätze frei und Hunde von Vitali können nachrücken. Derzeit ist die Quarantänestation mit 28 Hunde voll belegt, die wir in 17 Tagen abholen können. Erst danach könnten neue Hunde aus Cherson evakuiert werden. Doch nach den heutigen Geschehnissen müssen wir alles in Bewegung setzen, um alle Hunde - und wir wissen die Anzahl derzeit nicht - , die sich in Vitalis Wohnhaus und Garage befinden, unverzüglich zu evakuieren oder eben so schnell es nur irgendwie möglich ist! Während wir diese Zeilen an Sie schreiben, versucht Lukasz deswegen, die Betreiber der Quarantänestation zu überzeugen, dass - der Not gehorchend - eine umgehende Evakuierung der Hunde stattfinden und dafür auch eine Überbelegung der Plätze in Kauf genommen werden muss. Wir können nicht warten! Gleichzeitig versuchen wir die Information von Vitali zu bekommen, um wie viele Hunde in seiner Hausruine und in der Garage es sich handelt. Angelina ist währenddessen in Kontakt mit Animal Rescue Kharkiv, um die nächstmöglichen Termine für Evakuierungstransporte abzusprechen. Wir können Ihnen heute keine Zahl nennen. Sie wissen, wir haben Vitali und seinen Hunden unser vollumfängliches Versprechen des Beistands gegeben. Lebensrettung in Zeiten des Krieges ist nicht kalkulierbar, es gleicht einer Sintflut an Leid, der wir uns stellen müssen. Ganz gleich wie viele Hunde es nun noch sein werden, wir werden keinen zurücklassen und versuchen, alle, die Vitali begegnet sind und alle, die ihm noch begegnen werden, in Sicherheit zu bringen. Wir werden Ihnen Zahlen nennen, sobald wir sie haben. Wir werden Sie natürlich umgehend in den kommenden Tagen über alle Entwicklungen informieren. Und wir werden Ihnen auch weiterhin jedes Tier, das wir gemeinsam mit Ihrer Hilfe aus diesem Inferno retten, mit Namen und Gesicht vorstellen, wenn seine Lebensrettung hoffentlich gelungen ist.
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