Kaninchen – aktive und soziale Tiere
Kaninchen sind intelligente, neugierige und soziale Tiere. Leider werden ihre Bedürfnisse bei der Haltung als Heimtiere noch immer häufig unterschätzt. Ein kleiner Käfig, etwas Fertigfutter und gelegentlicher Auslauf reichen für ein artgerechtes Kaninchenleben nicht aus.
Wer Kaninchen hält, übernimmt Verantwortung für Tiere, die ausreichend Platz, Bewegung, Beschäftigung, eine geeignete Ernährung und die Gesellschaft eines passenden Artgenossen benötigen.
Kaninchen sollten nicht allein leben
Kaninchen sind ausgesprochen soziale Tiere. Der Mensch kann den Kontakt zu einem Artgenossen nicht ersetzen. Deshalb sollten Kaninchen grundsätzlich mindestens zu zweit gehalten werden.
Eine Vergesellschaftung sollte sorgfältig und mit ausreichend Platz erfolgen. Besonders bewährt hat sich die Haltung eines kastrierten männlichen Tieres mit einem weiblichen Kaninchen. Auch andere passende Gruppenzusammensetzungen sind möglich.
Viel Platz und tägliche Bewegung
Kaninchen brauchen deutlich mehr Platz, als ein herkömmlicher Käfig bietet. Sie laufen, springen, buddeln, erkunden ihre Umgebung und suchen Verstecke.
Ein großzügiges Gehege mit verschiedenen Bereichen sollte deshalb selbstverständlich sein. Bei Außenhaltung muss das Gehege so gesichert sein, dass die Tiere weder entkommen noch von anderen Tieren erreicht werden können.
Auch bei Innenhaltung benötigen Kaninchen ausreichend Bewegungsfläche und Rückzugsmöglichkeiten. Ein Käfig sollte niemals der dauerhafte Lebensraum sein.
Heu und Grünfutter gehören auf den Speiseplan
Die Ernährung hat für die Gesundheit von Kaninchen eine besonders große Bedeutung. Heu von guter Qualität und frisches Wasser sollten ständig zur Verfügung stehen.
Zusätzlich eignet sich eine abwechslungsreiche Ernährung mit geeigneten Gräsern, Kräutern und Gemüse. Frisches Grün sollte langsam eingeführt werden, wenn ein Kaninchen daran bisher nicht gewöhnt ist.
Getreidereiches Körnerfutter, stark zuckerhaltige Snacks und sogenannte „Leckerlis“ sind für eine gesunde Kaninchenernährung nicht notwendig und können bei übermäßiger Fütterung zu gesundheitlichen Problemen führen.
Zähne müssen ständig beschäftigt werden
Die Zähne von Kaninchen wachsen lebenslang. Durch das intensive Kauen von Heu und geeignetem Futter werden die Zähne auf natürliche Weise abgenutzt.
Probleme mit den Zähnen können für Kaninchen sehr schmerzhaft sein. Wenn ein Tier weniger frisst, das Futter fallen lässt, stark speichelt oder Gewicht verliert, sollte es schnellstmöglich tierärztlich untersucht werden.
Verstecke und Beschäftigung
Kaninchen brauchen Möglichkeiten, sich zurückzuziehen und ihre Umgebung zu erkunden. Häuschen, Tunnel, Röhren, erhöhte Ebenen und geeignete Beschäftigungsmöglichkeiten machen das Gehege abwechslungsreicher.
Auch Buddelmöglichkeiten sind für viele Kaninchen eine wichtige Beschäftigung. Die Einrichtung sollte regelmäßig verändert oder ergänzt werden, ohne den Tieren ihre vertrauten Rückzugsmöglichkeiten vollständig zu nehmen.
Gesundheit und tierärztliche Versorgung
Kaninchen zeigen Krankheit und Schmerzen häufig erst spät. Deshalb sollten Veränderungen beim Fressen, Kotabsatz, Gewicht oder Verhalten ernst genommen werden.
Besonders wichtig ist es, darauf zu achten, dass ein Kaninchen regelmäßig frisst und Kot absetzt. Frisst ein Kaninchen plötzlich nicht mehr, kann dies schnell zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen und muss unverzüglich tierärztlich abgeklärt werden.
Regelmäßige Gesundheitskontrollen und die erforderlichen Impfungen gehören ebenfalls zu einer verantwortungsvollen Haltung.
Kastration und Nachwuchs vermeiden
Wer männliche und weibliche Kaninchen zusammen hält, sollte eine unkontrollierte Vermehrung unbedingt verhindern. Männliche Tiere sollten deshalb rechtzeitig kastriert werden.
Eine Kastration kann außerdem eine wichtige Voraussetzung für eine harmonische Vergesellschaftung sein. Über den richtigen Zeitpunkt und die notwendige Nachsorge sollte mit einer erfahrenen Tierarztpraxis gesprochen werden.
Kaninchen sind keine Kuscheltiere
Kaninchen können zutraulich werden, möchten aber nicht automatisch hochgenommen und herumgetragen werden. Als Fluchttiere fühlen sie sich häufig wohler, wenn sie selbst entscheiden können, wann sie den Kontakt zum Menschen suchen.
Insbesondere Kinder sollten lernen, die Tiere ruhig zu beobachten und ihre Körpersprache zu respektieren.
Vor der Anschaffung gut überlegen
Kaninchen können viele Jahre leben. Vor der Anschaffung sollte deshalb geklärt werden, ob dauerhaft ausreichend Platz, Zeit und finanzielle Mittel für die Tiere vorhanden sind.
Auch Tierarztkosten, Impfungen, Kastrationen, geeignetes Futter und eine sichere Unterbringung müssen eingeplant werden.
Kaninchen aus dem Tierschutz
In Tierheimen und Tierschutzvereinen warten viele Kaninchen auf ein neues Zuhause. Wer Kaninchen aufnehmen möchte, sollte deshalb auch den Tierschutz als Möglichkeit in Betracht ziehen.
Ein artgerechtes Zuhause bedeutet für Kaninchen vor allem: Gesellschaft, ausreichend Platz, Bewegung, geeignetes Futter, Rückzugsmöglichkeiten und eine verantwortungsvolle Betreuung.